Satt – de Öpfelbaum
- Danja

- 6. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Es isch Mai, i spaziere dur Wälder, über Felder und gnüsse d Rueh. Ich halte a, lueg umenand, do stöhnd ganz vieli Öpfelbäum, prallvoll mit schöne Blüete. Es goht nümme lang, denn wachset do dra ihri Frücht.
Es isch Juli, ich spaziere dur Wälder, über Felder und ghöre zmol e ganz fini Stimm. «Heb Sorg zu mir», flüschteret en runde, no grüene Öpfel wo ame Baum hanget. «Bald, bald chasch mich und mini Gspänli gnüsse. Bald, bald machet mer dich satt», seit de Öpfel zu mir. Er hett zwei dunkli Tüpfli wie Auge und e Kerbe, won ihm es fröhlichs Gsicht verleiht. Ich lueg umenand, do stöhnd ganz vieli Öpfelbäum, gfüllt mit prächtige Frücht. Es goht nümme lang, denn sind sie ernteriif.
Es isch August, ich spaziere dur Wälder, über Felder und ghöre zmol e bekannti fini Stimm. «Heb Sorg zu mir», flüschteret de rund, inzwüsche rote Öpfel, wo immer no am Baum hanget. «Gli, gli chasch mich und mini Gspänli gnüsse. Gli gli, machet mer dich satt», seit er das mol zu mir. Ich lueg umenand, do stöhnd ganz vieli Öpfelbäum, gfüllt mit prächtige Frücht.
Es isch September, ich spaziere dur Wälder, über Felder und ghöre zmol öpper brüele. «Hilf mer», rüeft de rund, riif Öpfel, wo immer no am Baum hanget. «Hilf mer…», rüeft er nomel. Ich goh nöcher zu ihm ane. «Lueg mol döt übere», seit de Öpfel. «Döt, wo jetzt die grosse Gebäude stöhnd. Döt sind bis vor Churzem mini Verwandte gwachse. Schön hends ugseh, i de Blüeteziit und mit ihrne rote, gsunde Öpfel. Chind und Erwachseni hends pflückt, hend gnüsslich dri bisse. För das sind mer Öpfel jo do, zum eu Mensche satt mache. Doch lueg, etz stöhnd au bi üs die Steckä, wo bis in Himmel ufe raget…», seit de Öpfel truurig, wel er weiss, was das bedütet. Er gseht so truurig us, so truurig, dass ich de Öpfel am liebschtä wör pflücke, am liebschtä wör de ganz Baum urisse, hei neh und i mim Garte pflanze.
Was chani etz mache? Was isch do los?
Wie chani em helfe? Wie unterstütz ich en bloss?
De Öpfel und sini Gspänli rettä, phu, das isch e schwierigi Sach,
d Bauplän sind nämli scho lang under Dach und Fach.
Schnell isch es November, ich spaziere dur Wälder, über Felder und ghöre luute Baustellelärm. De rund, riif Öpfel hanget nümme am Baum. Di schöne Bäum, ligget entwurzlet am Bode. Di sunnegriifte Frücht ebefalls.
Niemert hett sich d Müeh gmacht, zum vorab no di feine Öpfel z pflücke, die z essä, z verteile oder z verwerte.
Jo, wel sich niemert drum schert. Niemert hett die Öpfel verzehrt, niemert hett sich noch de Bäum umkehrt.
Niemert hett sich über de Bau beschwert, es isch schliessli nünt verkehrt.
Und jo, d Bäum hend sich nöd gwehrt, wie au – sie hend kein Wert. Jo, niemert het sich drum gschert.
Eis Johr spöter, es neus Huus stoht uf dem Stuck Land. S hett Lebä drin, isch es Dehei vo vielne Lüt. Lüt, wo die Gschicht vom rote, runde Öpfel nie werdet kennä. Lüt, wo immer en volle Teller hend.
Und doch blibt d Hoffnig, dass do uf dem grüene Stuck Land vor em Huus irgendwenn wieder ein Öpfelbaum sis Plätzli findt. Eine, wo gern aglueget wird – vo de Blüeteziit bis im Herbscht. Eine, wo mit de Johre dene Lüüt do wieder feini Öpfel schenkt und sie satt macht. Eine, wo en Wert hett.
Text zum Stichwort «satt», Open Slam Vorbereitung



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